PRESSE | Münchner Merkur vom 9. Juni 2018

Atelierprojekt: Kunst als Experiment

„Feste Lehrpläne sind mir ein Gräuel“,
sagt Cornelia Eichacker, Vorstand im Atelierprojekt.

(Foto: haag)

Auf digitale Medien verzichtet man hier bewusst. Kein einziger Rechner steht in den Kursräumen. Mit den eigenen Sinnen erleben und sich künstlerisch ausdrücken, darum geht es im Atelierprojekt. An diesem Sonntag, 10. Juni, feiert der Verein sein 25-jähriges Bestehen in seinem Atelier an der Landwehrstraße 39 in der Ludwigsvorstadt. Natürlich mit einer Ausstellung in den Kursräumen im Rückgebäude.

In den Neunzigern haben Absolventen der Münchner Kunstakademie das Atelierprojekt gegründet. Im Mittelpunkt aller Kurse steht das Experimentieren, egal ob beim Zeichnen, Malen, Fotografieren oder in der Papierwerkstatt. Die beiden Vorstände Cornelia Eichacker und Jess Walter sind diesem Gedanken treu geblieben. „Jeder Mensch kann sich künstlerisch ausdrücken“, so Eichacker. Bis heute fasziniere und freue sie die Veränderung in den Arbeiten ihrer Kursteilnehmer. Denn in einer kopflastigen, digitalen Welt sei es für junge Menschen oft gar nicht so einfach, ihre Emotionen beim Malen lebendig zu machen. Doch genau darum geht es im Projekt.

„Zur freien Entfaltung gehört unbedingt der Wille, sich auf etwas einzulassen“, sagt Jess Walter. Wie alle anderen Dozenten ist er freischaffender Künstler mit Hochschulabschluss an einer Kunstakademie. Diese Qualitätssicherung ist dem Atelierprojekt sehr wichtig. „Und natürlich geben wir viele Tipps zum Umgang mit Farben, Materialien und zu Techniken.“

Menschen mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen, Junge, Alte und Kinder besuchen die Atelierkurse, manche sind schon seit der Anfangszeit mit dabei. Auch mittlerweile bekanntere Künstler wie Thomas von Poschinger oder Thomas Bechinger haben hier ihre Mappen gezeichnet. „Viel wesentlicher sind aber Lebensausdruck und Ventil durch individuelle Bildkompositionen“, so Eichacker. „Oft ist Kunst ein großer Schritt zur Lebenshilfe.“

Am Atelierprojekt liebt sie nach all den Jahren immer noch die Selbstverwaltung, auch wenn das durchaus zeitintensiv ist. „Vorgegebene Strukturen oder feste Lehrpläne sind mir ein Gräuel“, gesteht die Künstlerin. Sie wünscht sie, dass künftig noch mehr junge Dozenten hier unterrichten. „Wir setzen sehr auf den persönlichen Kontakt und Kontinuität“, sagt Eichacker. „Aber nicht jeder aus der neuen, globalisierten Künstlergeneration will das.“

Zur Eröffnung des Tages der offenen Ateliertür am Sonntag um 15 Uhr spricht Horst Sauerbruch, emeritierter Professor der Akademie der Bildenden Künste. Abends spielt Walter Schreiber auf dem Akkordeon.

Bettina Ulrichs

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